Sie sind hier: Unterricht | Latein | Latein als Sprache

Latein als Sprache - Fakten und Überlegungen

Latein wird häufig als tote Sprache bezeichnet, als Sprache, die heute keiner mehr sprechen kann. Wir möchten zeigen dass dies eine Aussage ist, die auf falschen Voraussetzungen beruht:

 

  • Moderne Fremdsprachen zielen darauf ab, Kommunikation zu ermöglichen. Genau das trifft auf Latein nicht zu:

 

  • Latein in der Form, in der es auf der Schule erlernt wird, war in erster Linie niemals Kommunikationssprache, nie gesprochene Sprache, sondern Schriftsprache, eine Sprache für schriftliche Kommunikation: für Verwaltung, Wissenschaft, Religion sowie kunstvolle Dichtung und Prosa.

 

Darüber hinaus war Latein im Laufe der Jahrhunderte:

  • die Verwaltungssprache des römischen Weltreichs
  • die Literatursprache des römischen Weltreichs
  • Sprache von Kirche, Politik und Verwaltung sowie Literatursprache im Mittelalter und früher Neuzeit
  • die Wissenschaftssprache bis weit ins 19. Jh.
  • die Grundlage für wissenschaftliche, vor allem auch naturwissenschaftliche Fachausdrücke bis heute.

 

 

Warum also Latein?

 

Wenn Latein also nicht gesprochen werden kann, nicht der Kommunikation dient, warum sollte man dann überhaupt diese Sprache lernen?

 

 

Latein vermittelt einen grundlegenden Einblick in Sprache und Grammatik an sich: Das sprachliche System steht immer auch im Zentrum der Beschäftigung

 

Die Beschäftigung mit Latein bildet bestimmte Fertigkeiten aus

  • Latein schult die Beobachtungsgabe und Konzentration
  • Latein schult die Analysefähigkeit
  • Latein schult abstraktes Denken
  • Latein erfordert Ausdauer und Geduld

 

 

Latein vermittelt Schlüsselfertigkeiten/-kompetenzen

  • politische Mündigkeit, Mündigkeit als Bürger (keine Angst vor politischer Sprache, geringere Anfälligkeit für Manipulation durch Sprache)
  • Methodenkompetenz: genaues wissenschaftliches Arbeiten und genau, textnahe Analyse und Deutung von Texten
  • wissenschaftliche Kompetenz: Beherrschung und Erklärung von Fachtermini

 

Latein ist eine gute Basis für die Beschäftigung mit der Muttersprache

Grammatik, Vokabular, Fremdwörter, Rhetorik, Stilmittel, genaue Textanalyse

 

Latein ist eine gute Basis für das Erlernen anderer Fremdsprachen

  •  romanische Tochtersprachen: Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch und Rumänisch
  •  Englisch (der heutige englische Wortschatz ist aufgrund des romanischen Einflusses im 11. Jh. zu gut 50% lateinischer Herkunft)

 

Latein ist eine gute Basis für Studium und Beruf

  • Ein Latinum ist an vielen Unis Voraussetzung zum Studium bestimmter Fächer (Geisteswissenschaften, vor allem romanische Sprachen, Jura, Medizin, Pharmazie, Theologie, zunehmend auch Lehramtsstudiengänge)
  • Lateinkenntnisse haben aber noch niemals und in keinem Fach geschadet.

 

 

Inhalte des Lateinunterrichts

 

Neben der Sprache wird natürlich die Kultur der römischen (und der von den Römern rezipierten griechischen) Antike vermittelt. Zunächst werden im Lehrbuchunterricht dem Alter der Schülerinnen und Schüler entsprechend Texte gelesen, die einen Einblick in die römische Lebenswelt, Kultur und Geschichte ermöglichen. Hier stehen Sagen, berühmte historische Persönlichkeiten und bekannte Episoden aus der römischen Geschichte im Mittelpunkt. Nach ca. 3 Jahren werden dann Originaltexte gelesen, die Themen berühren, die die Menschen seit ältesten Zeiten bewegen und auch heute noch topaktuell sind:

  • Was ist gute Freundschaft?
  • Wie gehe ich mit Macht und Herrschaft um, was ist eine gute Regierung?
  • Gibt es den gerechten Krieg?
  • Wie überzeuge ich?: Rhetorik
  • Was heißt glückliches Leben und  Glück?
  • Was ist gute Literatur und warum?

 

Latein liefert in diesen und vielen anderen Fragen Modellantworten, die natürlich nicht 1:1 in unsere Gegenwart übernommen werden können, die aber eine vertiefte Auseinandersetzung mit diesen Fragen ermöglichen und helfen, sich ein eigenes Urteil zu bilden, das wohlinformiert und wohlabgewogen ist.