Emanuel-Felke Gymnasium
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„Never forget, never repeat!“ Anne-Frank-Erinnerungstag am EFG im Juni 2026

Am Donnerstag, dem 11. Juni 2026, beteiligte sich das Emanuel-Felke-Gymnasium in Bad Sobernheim am bundesweiten Anne-Frank-Gedenktag. Anlass war der 97. Geburtstag Anne Franks, der in diesem Jahr gefeiert worden wäre. Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe nahmen gemeinsam mit Oberstufenschülerinnen und der Gruppe „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ (SoR-SmC) an einem umfassenden Projekttag teil, der in diesem Jahr dem bundesweiten Motto „Geschichte erzählen“ gewidmet war.

Im Mittelpunkt des Tages stand die Auseinandersetzung mit dem Leben Anne Franks, den Schrecken des Holocaust` und der Frage, welche Bedeutung Erinnerungskultur heute noch hat. Nach einer thematischen Einführung im Plenum in der Schule, bei dem auch Ausschnitte aus dem Film „Das Tagebuch der Anne Frank“ gezeigt und gemeinsam reflektiert wurden, fanden sich die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen zusammen und begannen danach mit einem Rundgang durch Bad Sobernheim. Dabei hatten sie die Möglichkeit, sich aktiv mit der jüdischen Erinnerungskultur in Bad Sobernheim auseinanderzusetzen. Sie besuchten Orte jüdischen Lebens und Erinnerns: die ehemalige Synagoge - heute Kulturhaus und Stadtbibliothek, die Stolpersteine in der Wilhelm- bzw. Großstraße, die Privathäuser der Familie Marum und deren ehemalige Strumpffabrik. Auch im Marum-Park ging es auf Spurensuche, wobei die Schülerinnen und Schüler sich intensiv mit den Tafeln zur Familie Marum und der Strumpffabrik beschäftigten. Im Kulturhaus „Synagoge“ berührte der Film „Together in Time“ die Schülerinnen und Schüler in besonderer Weise, da er die Geschichte der Synagoge und der letzten jüdischen Bürgerinnen und Bürger der Stadt dokumentiert.

An den Anwesen der jüdischen Unternehmerfamilie Marum sowie den Stolpersteinen in der Wilhelmstraße und in der Kirchstraße, die an Angehörige der Familien Ostermann, Landau und Marum erinnern, wurden deren Lebensgeschichten erläutert und der Stellenwert der Erinnerungskultur thematisiert. Eine Gruppe besuchte auch die sieben im September 2026 neu verlegten Stolpersteine in der Großstraße 45. Ein Schüler der 10. Jahrgangsstufe erzählte die Geschichte der Familie Fried, die in diesem Haus gelebt hatte. Nach dem Rundgang mit der Spurensuche in der Stadt besuchten die Gruppen die Anne-Frank-Ausstellung im Foyer der Schule, wo die Plakate des Anne-Frank-Zentrums Berlin ausgestellt und der Schulgemeinschaft präsentiert wurden. In einer erneuten Gesprächsrunde im Plenum teilten die Schülerinnen und Schüler ihre Eindrücke und Gedanken, indem sie diese auf den Postkarten des Anne-Frank-Zentrums Berlin notierten und im Plenum austauschten. Daraus ergab sich eine bewegende Reflexionsrunde zur Bedeutung von Freiheit und Erinnern bzw. Gedenktagen für uns Schülerinnen und Schüler.

Am frühen Nachmittag fand im Rahmen des Anne-Frank-Gedenktags der letzte Programmpunkt statt: das Projekt „Meet a Jew“. Drei jüdische Gäste, ein 17-jähriger Schüler, eine jüdische Mitarbeiterin der Bundeswehr und ein Diplomingenieur, kamen in unsere Schule und beantworteten ganz offen und ehrlich die vielen Fragen der Schülerinnen und Schüler zu ganz unterschiedlichen Lebensbereichen.  Zudem hatten sie viele Alltagsgegenstände aus ihrem Leben als Juden in Deutschland mitgebracht und erklärten die sowohl religiösen als auch ganz praktischen Gegenstände sehr anschaulich, sodass ein anregendes Gespräch entstand. Ziel des Projekts ist es, Vorurteile abzubauen, authentische Einblicke in das jüdische Leben heute in Deutschland zu gewinnen und einen Austausch zu aktuellen Problemen zu ermöglichen. Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich beeindruckt von der Offenheit der Gäste und berichteten, dass sie die Gespräche als sehr bereichernd empfanden. Besonders geschätzt wurde die Möglichkeit, im direkten Gegenüber Fragen zu stellen, denn fast alle hatten zuvor noch nie einen persönlichen Kontakt zu einem jüdischen Mitglied unserer Gesellschaft. „Mich hat es überrascht zu hören, dass Schleusen zu den Gebäuden der Juden sowie ein zunehmender Polizeischutz für jüdische Menschen und Gebäude notwendig sind“, äußerte sich ein Schüler. Viele betonten, wie wichtig solche Begegnungen seien, um andere Perspektiven kennenzulernen und gegenseitiges Verständnis zu fördern. Das Projekt „Meet a Jew“ wurde von der Schülerschaft durchweg positiv aufgenommen und mit Nachdruck weiterempfohlen. Insgesamt empfanden die Schülerinnen und Schüler den Anne-Frank-Tag als sehr wichtig und gelungen, [wie auch das Feedback der beiden Oberstufenschüler im Anhang bestätigt.]

Die Anne-Frank-Ausstellung blieb noch bis zu den Ferien und wurde gezielt von mehreren Fachlehrerinnen und Fachlehrern der Orientierungs-, Mittel- und Oberstufe in ihren Unterricht integriert. Auch am Schulfest und dem anschließenden EFG-Ehemaligentreffen sah man viele interessierte Besucher in der Ausstellung und teilweise entwickelten sich davor auch Gespräche, in denen deutlich wurde, wie wichtig es ist, die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten wachzuhalten, damit so etwas nie wieder passiert.

 

Feedback zum Anne-Frank-Tag von Nathanael Blaum und Dawid Pióro (MSS 10)

Der Anne-Frank-Tag war insgesamt eine sehr lehrreiche und bereichernde Erfahrung für die gesamte Gruppe. Besonders gut vermittelt wurde nach unserer Meinung die zentrale Botschaft „Never forget, never repeat!“, die sich durch das gesamte Programm zog. Sie regte dazu an, über die Vergangenheit nachzudenken und die Bedeutung von Erinnerung an den Holocaust sowie den Einsatz gegen Diskriminierung und Ausgrenzung zu verstehen. Sowohl im Plenum als auch gerade in den Kleingruppen konnten sehr wichtige Inhalte behandelt werden: Das Leben und Schicksal von Anne Frank, aber auch von jüdischen Mitbürgern in der Kleinstadt Bad Sobernheim sowie die Situation von Juden in unserer heutigen Gesellschaft. Besonders ist uns aufgefallen, dass die Schülerinnen und Schüler insgesamt bei der Spurensuche in Bad Sobernheim - vor allem als wir die Geschichte der Personen auf den Stolpersteinen vorstellten und Geschichten über deren Leben in unserer Kleinstadt erzählten - sehr gut zugehört haben und alle sehr betroffen waren.

Unserer Meinung nach standen die einzelnen Programmpunkte in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander und keines der Themen kam zu kurz. Besonders positiv sahen wir außerdem die Atmosphäre während des gesamten Tages: Die teilweise sehr ernsten und emotionalen Themen wurden respektvoll und angemessen besprochen, ohne dass die Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe dadurch abgeschreckt oder überfordert wurden. Stattdessen entstand ein offenes und angeregtes Gesprächsklima, in dem sich alle mit den Inhalten auseinandersetzen und ihre Gedanken einbringen konnten. Insgesamt war der Anne-Frank-Tag deshalb aus unserer Sicht eine gelungene und wichtige Veranstaltung, die zum Nachdenken angeregt und nachhaltige Eindrücke hinterlassen hat.

Text und Fotos: Diana Pfeifer Blaum

 

Hinter jedem Namen steht ein Mensch

Ökumenisches Gedenken an den Pogrom 1938

Bad Sobernheim. Zu einem ökumenischen Gedenken an die Pogromnacht am 9. November 1938 fanden sich etwa 120 Menschen auf Einladung des Kulturforums sowie der beiden christlichen Kirchengemeinden in der katholischen Kirche St. Matthäus in Sobernheim ein.

Schülerinnen und Schüler des Emanuel-Felke-Gymnasiums (EFG) erinnerten mit Wort- und Musikbeiträgen sowie Interpretationen selbst gefertigter Bilder an die Ereignisse vor 83 Jahren, als die Synagoge verwüstet und den jüdischen Bürgern Sobernheims von Nazi-Schlägertrupps in vielfältiger Weise Gewalt angetan wurde.
„Mit diesem Gedenken wollen wir ein Zeichen setzen gegen das Vergessen“, erklärte Pfarrer Hans-Jürgen Eck, als er die Stunde der Besinnung eröffnete. Die Pfarrkirche verbinde eine Sichtachse mit der Synagoge und so mit den älteren Geschwistern im Glauben, dem jüdischen Volk. In einer Zeit des erneut deutlich sichtbar aufkommenden Antisemitismus, sei es dringend geboten, sich öffentlich gegen Ausgrenzung und Intoleranz zu bekennen. „Es gilt, nicht wegzuschauen, nicht zu denken, dass es bei uns in Bad Sobernheim und unserer ländlichen Umgebung nicht passieren kann, dass Menschen wegen ihres Glaubens, ihrer Rasse oder wegen ihres Andersseins ausgegrenzt werden“, hob Eck hervor und fügte hinzu: „Von der Ausgrenzung ist es nur ein kleiner Schritt zur Gewalt und von dort zum Töten von Menschen.“

„Hinter jedem Namen steht ein Mensch“, betonten die Schülerinnen und Schüler des EFG, als sie die Namen der 84 bekannten Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns aus Sobernheim, Staudernheim, Odernheim und Meddersheim verlasen und dazu Kerzen entzündeten. Die Stadt sowie die drei Dörfer gehörten 1938 zur Jüdischen Gemeinde. Nach den Worten von Dr. Hartmut Wilms sind deren Alter bekannt, auch der Ort, an dem sie ermordet wurden. Einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt die Liste freilich nicht. Mit der Verlesung der Namen sollte die Individualität der Opfer deutlich gemacht und still derer gedacht werden, deren Schicksal unbekannt geblieben ist.

Die jungen Leute trugen Impulstexte vor, die zusammen mit Schulpfarrerin Christine Gebhardt erarbeitet worden waren. Sie schlugen einen Bogen von den Opferzahlen der Juden, Sinti und Roma oder Menschen mit Behinderungen, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden, zu den aktuellen antisemitischen Straftaten. Diese beliefen sich im vergangen Jahr laut Statistik auf 2 275, und allein zwischen Januar und März 2021 bereits auf 428.

Sendung und Segen spendete Pfarrer Christian Wenzel als gottesdienstliches Element zum Ende der Gedenkstunde in der Kirche. Er verwies darauf, dass der Aaronitische Segen als Bestandteil jedes evangelischen Gottesdienstes aus der jüdischen Tradition übernommen wurde. Es solle stets daran gedacht werden, dass dieser Segen dem Volk Israel als erstes zugesprochen worden sei. Der leuchtende Davidstern im Obergeschoss des Kulturhauses Synagoge zeigte den Besucherinnen und Besuchern den Weg von St. Matthäus zur Synagoge. So konnten sie körperlich erfahren, wie nahe sich die jüdische und die christlichen Gemeinden einst standen. Hier gedachten sie still der Verwüstung des jüdischen Gotteshauses in der Pogromnacht 1938. Mit zunächst schrillen Tönen auf der Trompete, danach aber mit einer schwungvollen Interpretation eines bekannten israelischen Liedes, das den Frieden beschwört, setzte Klaus Huck einen klingenden Schlusspunkt.

Marion Unger

Schülerinnen und Schüler des Emanuel-Felke-Gymnasiums umrahmten die Gedenkstunde mit Musik- und Wortbeiträgen.


Hinter jedem Namen steht ein Mensch: Für die 84 bekannten jüdischen Opfer aus Sobernheim, Staudernheim, Meddersheim und Odernheim wurden beim Gedenken an die Pogromnacht 1938 Kerzen entzündet.


Mit Worten von Dietrich Bonhoeffer stellten Paula Bohr (links) und Emily Selzer eine Beziehung zwischen gemeinsam geschaffenen Kunstwerken aus dem Emanuel-Felke-Gymnasium und dem Gedenken an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus her.

Gedenkfeier für die Opfer des Holocaust von Bad Sobernheim und Umgebung am 9. November 2021

Es ist immer wieder erschreckend zu hören, wie präsent Antisemitismus heutzutage noch ist. Um an die 85 bekannten Namen der Opfer in Bad Sobernheim und Umgebung zu gedenken, wurde daher eine sehr interessante und würdevolle Gedenkfeier am 09.11.2021 um 19 Uhr von Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern des Emanuel-Felke-Gymnasiums und jeweils dem katholischen und dem evangelischen Pfarrer von Bad Sobernheim in der St. Matthäus Kirche in Bad Sobernheim veranstaltet. Die Schülerinnen und Schüler haben im Kunstunterricht von Gundula Heinrichs zwei Leinwände zum Thema Zusammenhalt, Liebe und Gemeinsamkeit erstellt. Diese Bilder wurden dann von zwei Schülerinnen aus der Oberstufe des EFG vorgestellt. Auch wurden Impulstexte von einzelnen Schülerinnen und Schülern vorgetragen, die sich mit vielfältigen Aspekten des Antisemitismus beschäftigten, wie zum Beispiel ,,Antisemitismus heute“. Nach diesen Impulstexten wurden jeweils die Namen der einzelnen Opfer aus Sobernheim und der Umgebung vorgetragen. Zwischen den Beiträgen der Schülerinnen, Schülern, Lehrerinnen, Lehrern und den Pfarrern wurden von Klaus Huck und Schülerinnen und Schülern des EFG musikalische Beiträge gespielt. Gegen Ende des Gottesdienstes gingen alle Anwesenden zu der Synagoge in Bad Sobernheim, wo weitere Texte von Amelie Malter vorgetragen wurden und Klaus Huck ein Lied auf der Trompete - ergreifend und mahnend - spielte.
 
Ich fand die Gedenkfeier sehr bewegend, da man gemerkt hat, dass dieses Thema in der Gesellschaft eben immer noch sehr umstritten ist und es immer noch Menschen gibt, die aggressive Taten gegenüber Menschen mit jüdischen Hintergrund verüben. Was mich allerdings sehr erschreckt hat, war, dass die Polizei uns von der katholischen Kirche bis zur Synagoge begleiten musste, um allen beteiligten Schutz garantieren zu können. Ich fand aber auch die Vorbereitung sehr interessant, da man vieles Neues gelernt hat und man einen klareren Einblick in die Realität erhalten hat. Ich würde eine solche Gedenkfeier immer wieder mitorganisieren und mich auch in anderen Präsentationen, die sich allgemein mit Rassismus und Antisemitismus beschäftigen, einbringen. Ich finde einfach, dass diese Themen eben den wenigsten und gerade den jüngeren einfach nicht klar sind und sie den Ernst, der eigentlich dahinter steckt, noch nicht begriffen haben. 

Ich danke den Schülerinnen und Schülern des Emanuel-Felke-Gymnasiums für ihre Beiträge und ihr Engagement, natürlich auch den Lehrerinnen und Lehrern, Dr. Hartmut Wilms, Gundula Heinrichs und Christine Gebhardt, die uns vorbereitet haben und ohne die diese Veranstaltung gar nicht zur Stande gekommen wäre. Meine Dankbarkeit geht ebenso an den katholischen Pfarrer Hans-Jürgen Eck und den evangelischen Pfarrer Christian Wenzel.

Benedikt Mees

Kontakt

Emanuel-Felke-Gymnasium
Poststraße 36
D-55566 Bad Sobernheim
+49 (0) 6751 930840
postmaster@emanuel-felke-gymnasium.de

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